Kurz gesagt: Eine beste Zahl gibt es nicht. Die bekannte Regel „höchstens sieben Menüpunkte“ beruht auf einem Missverständnis. Belegt ist etwas anderes: Ein Menü, das man sieht, wird fast doppelt so oft genutzt wie eines, das hinter einem Symbol steckt. Wichtiger als die Anzahl sind klare Wörter und eine sichtbare Navigation.
Wer eine Website plant, landet früh bei derselben Frage: Wie viele Punkte dürfen ins Menü? Fünf? Sieben? Die Antwort, die fast jeder kennt, lautet „höchstens sieben“. Sie klingt nach Wissenschaft. Sie stimmt nur nicht.
Für Unternehmen und Selbstständige lohnt sich der genaue Blick. Die Navigation entscheidet, ob ein Besucher findet, was er sucht, oder die Seite wieder schließt.
Woher die Sieben kommt
1956 beschrieb der Psychologe George Miller, dass sich Menschen im Kurzzeitgedächtnis etwa sieben Dinge merken können, plus oder minus zwei. Im Webdesign wurde daraus die Regel, ein Menü dürfe höchstens sieben Punkte haben.
Der Haken: Ein Menü muss sich niemand merken. Es steht auf dem Bildschirm. Jakob Nielsen von der Nielsen Norman Group hat das 2009 klargestellt. Längere Menüs sind in Ordnung, wenn sie nötig sind, weil Besucher die Punkte wiedererkennen und nicht auswendig lernen müssen.
Was gemessen ist: Sichtbar schlägt versteckt
Die Nielsen Norman Group hat 2016 mit 179 Testpersonen auf sechs Websites verglichen, wie Menschen mit zwei Arten von Navigation zurechtkommen: mit einem Menü, das ausgeschrieben zu sehen ist, und mit einem Menü hinter dem Symbol mit den drei Strichen.
| Menü sichtbar | Menü hinter dem Symbol | |
|---|---|---|
| Am Desktop genutzt | in 48 Prozent der Fälle | in 27 Prozent der Fälle |
| Am Handy genutzt | in 86 Prozent der Fälle (wichtigste Punkte sichtbar, Rest im Menü) | in 57 Prozent der Fälle |
| Zeit für die Aufgabe | Vergleichswert | am Desktop mindestens 39 Prozent länger, am Handy 15 Prozent länger |
Das Ergebnis ist deutlich. Was man nicht sieht, wird seltener genutzt, und die Suche dauert länger. Am Desktop gehört das Menü deshalb ausgeschrieben in die Kopfzeile. Am Handy ist das Symbol üblich und in Ordnung. Die ein bis zwei wichtigsten Ziele sollten trotzdem sichtbar bleiben, zum Beispiel als Knopf „Anfragen“.
Fünf Regeln, die mehr bringen als Zählen
- Zeig das Menü am Desktop. Platz ist genug da. Ein verstecktes Menü spart nichts und kostet Klicks.
- Nimm Wörter, die jeder kennt. „Leistungen“, „Preise“, „Über uns“, „Kontakt“. Eigene Begriffe wie „Lösungswelten“ muss der Besucher erst entschlüsseln.
- Gib dem wichtigsten Ziel einen Knopf. Die Anfrage oder der Anruf steht neben dem Menü und hebt sich farblich ab.
- Zeig, wo der Besucher gerade ist. Der aktive Menüpunkt ist markiert. Das Baymard Institute fand bei 95 Prozent der untersuchten großen Onlineshops keine solche Markierung. Der Wert stammt aus dem Onlinehandel, das Prinzip gilt für jede Website.
- Untermenüs nur, wo sie nötig sind. Wenn doch, dann öffnen sie sich auf Klick. Menüs, die beim Überfahren aufklappen, gehen leicht versehentlich auf und wieder zu.
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Und wie viele sind es nun?
Den meisten Unternehmen und Selbstständigen reichen fünf bis sieben Hauptpunkte. Das ist eine Faustregel aus der Praxis, kein Gesetz. Wer wenige Leistungen anbietet, braucht selten mehr. Wer zehn Punkte braucht, weil das Angebot so breit ist, darf zehn haben, solange jeder Punkt klar benannt ist.
Die bessere Frage lautet: Findet ein Fremder in zehn Sekunden, was er sucht?
Der Selbsttest in fünf Minuten
- Bitte jemanden, der deine Website nicht kennt, deine Telefonnummer und deine wichtigste Leistung zu finden. Stoppe die Zeit.
- Lies deine Menüpunkte laut vor. Versteht ein Außenstehender jeden ohne Erklärung?
- Öffne die Seite am Handy. Ist der Weg zur Anfrage sichtbar, ohne dass du das Menü öffnest?
- Klick auf eine Unterseite. Erkennst du im Menü, wo du bist?
Wo die Studien enden
Die Messung zur versteckten Navigation stammt von 2016 und von großen Websites. Geräte und Gewohnheiten haben sich seitdem verändert, die genauen Werte können heute anders ausfallen. Die Richtung ist seit Jahren dieselbe: Was man sieht, wird genutzt.
Eine Studie, die eine beste Anzahl an Menüpunkten für Unternehmenswebsites belegt, kennen wir nicht. Wer dir eine feste Zahl nennt, nennt dir eine Meinung.
Häufige Fragen
Ist ein Menü mit mehr als sieben Punkten schlecht?
Nein. Die Sieben stammt aus der Gedächtnisforschung und gilt nicht für Dinge, die man vor sich sieht. Entscheidend ist, dass jeder Punkt verständlich ist und die wichtigsten vorn stehen.
Darf ich am Handy das Symbol mit den drei Strichen nutzen?
Ja, dort ist der Platz knapp und das Symbol gelernt. Lass die wichtigste Handlung trotzdem sichtbar, etwa als Knopf zur Anfrage oder zum Anruf.
Was gehört in die Fußzeile statt ins Menü?
Alles, was selten gesucht wird oder rechtlich nötig ist: Impressum, Datenschutz, Geschäftsbedingungen. So bleibt oben Platz für das, weswegen Besucher kommen. Warum weniger Auswahl zu mehr Entscheidungen führt, steht im Beitrag Psychologie im Webdesign: Warum Besucher anfragen oder wieder gehen.
Quellen: George A. Miller, Psychological Review (1956). Jakob Nielsen, Nielsen Norman Group, zu Kurzzeitgedächtnis und Bedienbarkeit (2009). Kara Pernice und Raluca Budiu, Nielsen Norman Group, Untersuchung zu versteckter Navigation (2016). Page Laubheimer, Nielsen Norman Group, Richtlinien zur Menügestaltung (2024). Baymard Institute, Untersuchung zur Navigation in Onlineshops (2024, aktualisiert 2025).